Wie lange sind Sie schon Pflegefamilie?
Wir sind seit 8 Jahren Pflegefamilie und wachsen stetig mit jedem Pflegehund.

Wie viele Pflegehunde hatten Sie bisher?
Wir hatten in den 8 Jahren 10 Pflegehunde. Der längste Pflegehund war 6 Monate bei uns.

Was ist Ihre Motivation Pflegefamilie zu sein?
Meine Motivation ist meine grenzenlose Tierliebe und die Fähigkeit, dass ich mich auf die Bedürfnisse hilfsbedürftiger Tiere und Menschen einstellen kann, auch mit dem Wissen, dass es zeitlich begrenzt ist. Ich möchte helfen, die richtigen Lösungen zu bieten. Und es ist mir sehr wichtig, meine Erfahrungswerte weiterzugeben und zu sehen, das diese zu schönen Ergebnissen führen.

Haben Sie schon einmal einen Pflegehund behalten? Wenn, ja warum?
Ja, ich habe einen Pflegehund behalten. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Was muss Ihrer Meinung nach eine Pflegefamilie mitbringen?
Liebe, Konsequenz, Geduld, Zeit, Fürsorge und die räumlichen Möglichkeiten, wie z. B. wenig Treppen, fast alles ebenerdig und Auslaufmöglichkeiten, die ausbruchsicher sind.

Haben Sie auch eigene Hunde?
Ja, wir haben 3 Bernersennen Hunde. Unsere Hündin ist 5 Jahre, unser Rüde ist ebenfalls 5 Jahre und unser Nesthäkchen ist 10 Wochen jung.

Wie kann man sich das denn so vorstellen, wenn ein neuer Pflegehund in Ihre Familie kommt?
Sie meinen in unser Rudel? Integration in das Rudel und langsames Heranführen an die eigenen Hunde sind sehr wichtig. Und vor allem Geduld und Verständnis für den gestressten Pflegehund zeigen, der nach einer gegebenenfalls langen Fahrt in eine neue Umgebung kommt. Man muss sich einfach klar machen, was diese Hunde möglicherweise alles erlebt haben.

Wie lange dauert es bis alles einigermaßen normal läuft?
Das ist unterschiedlich und abhängig von dem Pflegehund und welche Geschichte dieser Hund mitbringt. Es kann schnell gehen, aber es kann auch etwas dauern. Wie gesagt, man muss einfühlsam und geduldig sein. Der Pflegehund gibt das Tempo vor.

Es hört sich so an als wenn Sie hier Ihre Berufung gefunden haben. Würden Sie das so bestätigen?
Ja – denn mitzuerleben, wie aus einem ängstlichen ein selbstbewusster, aus einem aggressiven ein herzlicher Hund oder aus einem Beißer ein Schmusehund wird, das sind wahre Wunder. Wenn ich dazu meinen Teil beigetragen habe, das macht mich nicht nur glücklich, sondern daran sieht man auch, dass es der Mensch ist, der das Wesen des Hundes beeinflusst.

Das hört sich ja alles sehr spannend an. Was war denn Ihr persönlicher Härtefall?
Eine traumatisierte und schwer misshandelte Angsthündin. Mit ihr arbeite ich aktuell. Sie hat mich sehr stark an eine vorherige Pflegehündin erinnert, die als Vermehrerhündin missbraucht und gefoltert wurde. Solche Härtefälle sind besonders schwer, denn zum einen hat man tiefstes Mitleid, aber auf der anderen Seite muss man Stärke zeigen und Sicherheit geben. Ich bin da immer sehr zuversichtlich, denn wenn man die richtige Mischung an Konsequenz, Liebe und Verständnis zeigt, dann regelt die Zeit den Rest.

Wenn man soviel Emotionen und Hoffnung reinsteckt, fällt es dann nicht sehr schwer, den Hund wieder abzugeben bzw. in eine Endfamilie zu vermitteln?
Ja, das fällt anfangs sogar sehr schwer!

Ist es nach der Abgabe getreu dem Motto „Aus den Augen aus dem Sinn“?
Bei unserem Verein ist das nicht so - zum Glück! Dank einer guten Betreuung begleiten wir die neuen Familie und den Hund solange weiter, wie es nötig und gewünscht ist. Selbstverständlich stehen wir ständig im Austausch mit den Familien, die diesen Service auch dankbar annehmen.

Unterstützt Sie der Verein wenn es Schwierigkeiten gibt?
Ja, gemeinsam suchen wir dann nach Lösungen. Beispielsweise übernimmt der Verein die Arztkosten oder stellt Speziafutter zur Verfügung wenn dies erforderlich ist. Ebenfalls den Besuch einer Hundeschule oder eines Coaches übernimmt der Verein, um sowohl dem Tier wie auch der Pflegefamilie nicht nur mit Rat sondern auch mit Tat zur Seite zu stehen. Unser Vereinsziel ist es das allen geholfen wird, denn wir sind uns bewusst, dass ein gegebenenfalls vorbelasteter Hund eine große Herausforderung ist. Der Weg ist das Ziel. Zudem wollen wir nicht, dass die Tiere ständig ihr zu Hause wechseln sondern endlich zu Hause ankommen. Die Pflegefamilien bekommen alles, um den Hund dafür vorzubereiten. Dafür sind wir da!

Was haben Sie für Kosten, wenn Sie einen Hund in Pflege nehmen?
Futterkosten und Spritkosten um zum Tierarzt zu fahren übernimmt die Pflegefamilie. Tierarztkosten wiederum werden komplett vom Verein übernommen, sowie eine Grundausstattung von Halsband über Geschirr bis zur Leine.

Kaufen Sie für Ihre Pflegehunde anderes Futter als für Ihre eigenen Hunde?
Nein. Nur bei den Hunden die allergisch reagieren.

Was liegt Ihnen besonders am Herzen, wenn Ihr Pflegehund vermittelt wurde?
Einen glücklichen Hund in seine neue Familie zu überführen und dann zu beobachten, wie die Familie und der Hund zusammenfinden und ein eigenes Rudel werden. Das ist für mich ein unbeschreiblich wunderbares Gefühl. Und genau das ist mein Antrieb, eine Pflegefamilie zu sein.